Das Nothing Phone (4a) ist eines der meistignorierten Smartphones des Jahres, und das zu Unrecht. Ich habe es die letzten zwei Wochen intensiv getestet und wie immer alles benotet. Das Handy hat erstaunlich viel Charakter und ist richtig cool, hat aber ein Zielgruppenproblem: Optik und Software sprechen Techies und Ambitionierte an, die Hardware ist dagegen eher mittelmäßig.
Haptik: Plastik, aber ein Vibrationsmotor mit Wumms
Rahmen und Rückseite sind aus Plastik. Eine Hülle liegt bei, und das finde ich stark. Mit ihr fühlt sich das Phone (4a) allerdings auch an wie jedes andere Handy.
Spannend ist der Vibrationsmotor. Er wirkt fast so, als würde er von den Lautsprechern unterstützt. Für die Preisklasse ist er hochwertig, aber auch laut, und vor allem nachts kann das nerven.
Der Fingerabdrucksensor im Display ist ein optischer Scanner und kein Ultraschallsensor. Er ist gut genug, für Banking würde ich ihn aber nicht nutzen. Die Schutzart IP64 ist nicht perfekt. Zur Einordnung: Nothing-Gründer Carl Pei hat auch OnePlus gegründet, und OnePlus hat seine Handys früher aus Kostengründen gar nicht nach IP68 testen lassen. Der NFC-Chip sitzt eher mittig, beim Bezahlen ist das ungewohnt.
Teilnote Haptik
Display: sehr hell für die Preisklasse
Das AMOLED-Display arbeitet mit 30 bis 120 Hz, unterstützt HDR10+ und kommt auf 440 ppi. Die Ränder sind etwas dicker, das ist aber absolut in Ordnung. Für die Preisklasse ist das Display sehr hell.
Das Always-on-Display ist schön dezent und sehr clean animiert. Es ist allerdings ineffizient, weil die Bildrate nur auf 30 Hz statt auf 1 Hz sinkt.
Teilnote Display
Leistung: solide Mittelklasse, mehr nicht
Im Phone (4a) steckt der Snapdragon 7s Gen 4 im 4-nm-Verfahren. Zum Vergleich: Der Snapdragon 8 Elite Gen 5 bringt dreimal so viel Leistung. Dazu gibt es 8 oder 12 GB Arbeitsspeicher und 128 oder 256 GB Speicher nach UFS 3.1.
Teilnote Leistung
Software: eigener Charakter statt Kopie
Ausgeliefert wird das Phone (4a) mit Android 16 und Nothing OS 4.1. Das ist nah an reinem Android, hat aber einen eigenen Charakter, der nicht von irgendwas anderem kopiert ist. Nothing verspricht drei Android-Updates und sechs Jahre Sicherheitsupdates. Das ist sehr gut für die Preisklasse, und weil das System nah an nativem Android ist, schätze ich, dass Updates nur kurz verzögert kommen.
Die Animationen sind schick, und es gibt tolle Features, die nur Nothing hat, etwa die Glyphs. Die bringen einige Funktionen mit, viele davon sind im Alltag aber nicht besonders brauchbar. Der eigene Stil zieht sich durch alle Apps und Bedienelemente: Kamera, Galerie, Fingerscanner, Wetter-App, Recorder und mehr. Die Einstellungen sind aufgeräumt, übersichtlich, nicht verspielt und klar verständlich. Essential Search finde ich sehr gut. Du kannst einstellen, was dort auftauchen soll, oder die Funktion komplett deaktivieren.
Das System ist ein bisschen techy, dafür minimalistisch und zeigt alle relevanten Informationen. Einen Haken gibt es: Du musst die Features aktiv nutzen. Sonst hast du ein unnötiges Glyph oder einen unnötigen Button, den du nicht umbelegen kannst.
Teilnote Software
Akku: solide, aber ohne kabelloses Laden
Der Akku hat 5.080 mAh, in Indien sind es 5.400 mAh. Geladen wird mit bis zu 50 W, mein Anker-Ladegerät hat maximal 40 W angezeigt. Insgesamt ist das solide. Kabelloses Laden gibt es nicht.
Teilnote Akku
Kameras: starkes Tele, schwaches Ultraweitwinkel
Die Hauptkamera mit 50 MP, 1/1,57-Zoll-Sensor und f/1,9 macht bei Tag gute Fotos. Standardmäßig ist ein aggressives HDR aktiv. Bei Nacht ist die Verarbeitung etwas schlechter. Das Bokeh ist schön.
Das Periskop-Tele mit 3,3-fachem Zoom, 50 MP, 1/2,75 Zoll und f/2,9 liefert einen soliden Zoom, der etwas zu kontrastreich ausfällt. Der Porträtmodus mit dieser Linse ist sehr gut, wenn der Fokus trifft. Die Farben sind gut ausbalanciert, manchmal etwas sehr satt. Auch in dunkleren Szenen gelingen solide Fotos, solange es nicht zu dunkel wird.
Die Ultraweitwinkelkamera (0,6-fach) mit 8 MP und 1/4-Zoll-Sensor fällt stark ab und ist eher wenig zu gebrauchen. Die könnte man eigentlich weglassen und dafür ein etwas besseres Tele einbauen.
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Die Frontkamera mit 32 MP ist solide. Da gibt es nicht viel zu meckern: Selfies sind scharf und haben gute Farben.
Teilnote Kameras
Preis-Leistung: günstig mit einem Zielgruppenproblem
Das Phone (4a) ist sehr günstig zu haben. Ich habe meins als B-Ware für 280 € gekauft. Bei der Preis-Leistung gebe ich eine 1.
Das eigentliche Problem ist nicht der Preis, sondern die Zielgruppe. Optik und Software sind techy und ambitioniert, die Hardware ist mittelmäßig. Und der niedrige Preis wirkt auf Enthusiasten eher kontraproduktiv, nach dem Motto: Das kann nicht gut sein. Dabei steckt erstaunlich viel Charakter drin.
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