Wenn ich nur die Hardware bewerten müsste, wäre das Oppo Find X9 Pro eine 1+ mit Sternchen: Die Haptik ist erstklassig, der Vibrationsmotor ein Traum, und 7.500 mAh Akku sprechen für sich. Im Alltag ist aber die China-Software der entscheidende Knackpunkt. Zwischen schicken Animationen und nervigen China-Diensten stellt sich die Frage, ob die überragende Technik das ausgleichen kann. Bei kaum einem anderen Gerät war ich so hin- und hergerissen.
Haptik: edel verarbeitet, aber ohne Qi2
Mein Testgerät in Silk-White erinnert in Look und Größe an das iPhone 17 Pro Max. Die Verarbeitung ist extrem gut, der Fingerabdrucksensor megaschnell und der Vibrationsmotor erstklassig.
Der Kamerabutton hat eine Klickvibration über den Motor. Das fühlt sich gut an, sorgt aber manchmal für ungewollte Eingaben: Beim Greifen habe ich ihn öfter aus Versehen gedrückt und kurz gedacht: Ist das Display jetzt an? Hab ich die Kamera geöffnet?
Den Action Button hat Vivo besser gelöst. Dort gibt es Doppelklick und langes Drücken, hier nur das lange Drücken. Und dann fehlt Qi2, und damit auch die Magnete, die dazugehören: Das Find X9 Pro hat keine eingebaut. Warum? Das kostet die glatte 1, deshalb gibt es eine 1−.
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Teilnote Haptik
Display: extrem dünne Ränder, tolle Farben
Die Ränder sind mit 1,15 mm extrem dünn. Das Display ist hell, aber nicht so hell wie beim Vivo x300 Pro: 3.600 gegen 4.500 Nits.
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120 Hz reichen mehr als aus, mehr braucht es nicht. Dazu kommen 450 ppi, tolle Farben und Gorilla Glass Victus 2. Eine Anti-Reflexionsschicht gibt es allerdings nicht. Unterm Strich eine 1.
Teilnote Display
Leistung: butterweich ohne einen einzigen Ruckler
Im Find X9 Pro stecken der Mediatek Dimensity 9500, in meinem Gerät 16 GB RAM und UFS-4.1-Speicher. In der gesamten Testzeit hatte ich keinen einzigen Ruckler, alles lief butterweich. Dafür gibt es eine 1.
Teilnote Leistung
Software: schick, aber die China-ROM nervt
ColorOS 16 ist in der China-ROM, die ich getestet habe, richtig schick. Die Liquid-Glass-Adaption finde ich sogar besser gelöst als bei Apple, auch die Ripple-Effekte sind nice. Die Lockscreen- und Always-on-Designs mit Widgets sehen toll aus, sind aber sehr beschränkt. Viele Features und Einstellungen sind unter „Bedienungshilfen und Komfort“ versteckt.
Dann die Schattenseiten: Ein Doppelklick auf die Power-Taste öffnet nicht wie sonst bei Android die Kamera, sondern in der China-Version die chinesische Wallet-App. Deaktivieren kannst du das nur über unübersetzte chinesische Schriftzeichen, und auch nur, wenn du weißt, wo die Einstellung steht. Breeno und chinesische Elemente bekommst du ohne tiefere Eingriffe nicht komplett weg. Das liegt an der China-ROM und fällt nur selten auf, etwa bei den Widgets. Die QR-Code-Erkennung musst du erst in den Kameraeinstellungen aktivieren.
Breeno ist die chinesische KI von Oppo. Mit der China-ROM ist sie in Deutschland nicht benutzbar, weil sie nur Chinesisch kann. Gemini wie bei den EU-Versionen gibt es in der China-Version aber auch nicht. Du hast also weder Breeno noch Gemini und musst dir mit Apps Abhilfe schaffen.
Mir fehlt eine smarte Suche, wie ich sie von iOS kenne, mit Rechnen, App-Suche und so weiter. Die Benachrichtigungen sind wie bei Vivo nicht im Android-, sondern im iOS-Stil, zum Ausklappen ziehen kannst du nicht. Und manchmal merkt man, dass bei abgeschauten Funktionen nicht klar war, wie man sie umsetzen soll, etwa beim Koppeln von AirPods. Das Betriebssystem von Vivo hat mir einen Tick besser gefallen.
Wegen der China-ROM gibt es eine 3+. Die Global-Version wäre für mich im 2er-Bereich.
Teilnote Software
Akku: 7.500 mAh, einfach crazy
7.500 mAh sind crazy. Ich komme auf zwei Tage Akkulaufzeit und kann das Handy ganz entspannt im Bereich zwischen 20 und 80 % nutzen, was dem Akku eine längere Lebensdauer beschert. Und das Find X9 Pro lädt per PD beziehungsweise SuperVOOC auch über mein Anker-Netzteil. Danke! Das ist eine glatte 1+.
Teilnote Akku
Kameras: sehr gut, nur der Wow-Moment bleibt aus
Der Kamerabuckel gefällt mir sehr gut, er liegt an einer tollen Position zum Halten. Mein Problem: Ich habe vorher das Vivo x300 Pro genutzt, und dessen Kamera ist besser. Versteh mich nicht falsch, wir reden hier über den Unterschied zwischen sehr gut und extrem gut. Beim Vivo hatte ich nach einem Foto sehr oft einen „Alter, krass“-Moment, hier eher ein „Ja, schön!“. Die Kamera fühlt sich an wie eine bessere OnePlus-Kamera.
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Der Master-Modus ist bei allem schön, was keine Personen zeigt. Im Automatikmodus trifft die Kamera manchmal nicht den richtigen Touch, mit dem Pro-Modus ist aber alles möglich.
Die Hauptkamera mit 50 MP, f/1,5 und 1/1,28″-Sensor macht schöne Bilder und schöne Videos mit natürlichem Bokeh und satten Farben, ist aber wie bei OnePlus etwas zu kontraststark. Die Ultraweitwinkelkamera mit 50 MP, f/2,0 und 1/2,76″ trifft die Farben der Hauptkamera schön, liefert wegen des deutlich kleineren Sensors aber weniger Details.
Das Herzstück ist das 3×-Tele mit 200 MP, f/2,1 und 1/1,56″. Fast 80 % aller Fotos habe ich damit geschossen: super schönes, natürliches Bokeh, viele Details, schöne Farben, und im Master-Modus ist es sehr stark. Insgesamt eine 1−, das Vivo bekäme von mir eine 1+.
Teilnote Kameras
China oder Global: welche Variante?
Die Software ist für mich der Knackpunkt. Wenn überhaupt, käme das Find X9 Pro für mich nur in der Global-Variante infrage. Die China-ROM bekommst du als Import ab 747 €, und dafür ist das Gerät eine 1 wert. Ob du zur China- oder zur Global-Variante greifen solltest, dazu habe ich bereits ein eigenes Video gemacht.
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Ich persönlich tendiere nach diesem Test zu Vivo und warte gespannt auf die Global-Variante des Vivo x300 Ultra.
Beim Import lohnt ein Blick auf Garantie, Netzbänder und Google-Dienste.
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